Konzept / Deutsch

Artist - Statement

Markus Sepperer über "downstream the greyscale"


downstream the greyscale – stromabwärts der graustufen

"downstream the greyscale“ ist ein Fotoessay über die Modernisierungszone am 3 Schluchten Projekt
in Zentralchina, flussabwärts des Jangtsekiang von Chongqing nach Yichang entlang des 600km langen
Stausees am Drei-Schluchten-Damm.
Die Aufnahmen sind das Ergebnis einer 6 Wochen langen zweiteiligen Reise im Januar 2011 und
Februar 2012.
Schätzungsweise wurden durch das 3 Schluchten-Projekt auf Grund von Land- und Arbeitsverlust
2 Millionen Menschen aus Ihrem ursprünglichen Lebensraum vertrieben.
Umsiedlung und Massenmigration, sowie monokulturelle Urbanisierung kennzeichnen Menschen und
Umwelt dieser Provinz.
Das Vorherrschen von Grautönen innerhalb eines kontrastarmen weichen Labyrinthes aus einer
Landschaft im permanenten Nebel, Entwicklungszonen erbaut am Grund ausgelöschter Vergangenheit,
halb versenkte Dörfer, sowie noch nicht fertig errichtete Städte, zeichnen das Bild einer Gesellschaft,
an deren Schnittstelle zwischen Vergangenheit und Zukunft ein grauer Schleier liegt.
Mein Interesse galt vorrangig dieser nebelverhangenen, weder fertig abgerissenen noch vollständig neu
aufgebauten Welt, was übrig bleibt in Abbruchhäusern, die Entwicklung informeller
Stadterweiterungszonen, wie sich das Leben der Menschen vor dem Hintergrund einer zentral
geplanten Transformationslandschaft abzeichnet.
War die Einbettung und Unterordnung der Menschen in eine als göttlich angesehene Natur ein
Wesensmerkmal der klassisch-chinesischen Landschaftsmalerei, auch im Hinblick auf die Größe der
abgebildeten Personen im Bild, so konzentriert sich „downstream the greyscale“ wiederum auf das
Verhältnis Individuum - Umwelt innerhalb monokultureller Urbanisierung, inszeniert Teile der
Bevölkerung vor dem Hintergrund unirdisch und megalomanisch anmutender Stadt und
Industrielandschaften und setzt sie anhand dessen was in den Ruinenstädten "übrig bleibt" in Bezug zu
Ihrer weggeschwemmten, untergegangenen und zertrümmerten Geschichte.

Markus Sepperer, Wien 29.3.2012